Tag 47. Port de la Selva

Ich liege im Zelt. Draußen regnet es. Wenn ich nicht auf Klo müsste, wäre alles super und gemütlich. Ich habe heue frei und der Regen ist mir herzlich egal. Gestern habe ich beschlossen, heute ein wenig zu wandern. Also Frühstück machen, Regen hat erstmal aufgehört. Natürlich nur, um wieder anzufangen, als ich gerade Tee koche. Egal, es tröpfelt nur. Brot schmieren, essen, fertig. In der Hoffnung, dass es später sonniger wird, lege ich mich nach dem duschen wieder hin und döse ein. Um zwölf ist die Sonne da. Anziehen und los. Es stürmt nicht schlecht, aber heue ist der Wind mein Freund :-) . Von Port de la selva aus geht ein Wanderweg um die Spitze des “cap del creus”. Wirklich schön.
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Ich mache Pause und esse Baguette und trinke Tee. Hier ist kein Mensch. Dafür umso mehr Ameisen, mit denen ich mich natürlich, wie gewohnt, gerne beschäftige. Ich mache also mal wieder ein Ameisenexperiment und lasse gehässig ein paar große kekskrümel vom Himmel regnen. Ich bin gespannt wie lange die Tierchen brauchen um die Krümel zu zerkleinern. Nichts da. Die schnappen sich die Krümel, Berge für sie, und hauen damit ab. Wenn ich mir überlege, und das tue ich unweigerlich, wie das in menschlichen Dimensionen wäre, dann gehe ich also nichtsahnend meinen Geschäften nach, als plötzlich ein Keksberg in der Größe eines LKW neben mir einschlägt. Aufgeregt klettere ich darauf und lecke daran. Essbar. Super. Und so würde ich dann meine Kollegen rufen und das Ding mit nach Hause nehmen. Das ist ungefähr so, als würde ich mein Fahrrad von Hamburg nach Madrid tragen. Mit den Zähnen natürlich.
Ich glaube, Ameisen wären die unumstrittenen Herrscher der Welt – glücklicherweise haben sie nicht unseren intellekt.
Dagegen ist die hübsch schwarz weiß gestreifte Spinne, die offenbar irgendwie einen Faden zu meinem Knie geworfen hat und jetzt langsam auf mich zusegelt, eine hohle Nuss. Ich wische sie ohne große Aufregung fort.
Ich glaube, ich habe schon immer sehr geduldig Tiere beobachtet. Und hier sind einfach wenig Menschen, daher kommen hier immer mal wieder tierdokumentationen zum Einsatz.
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Ich glaube ich muss mir jetzt mal eine geschütztere Stelle suchen zum aufwärmen.
Auf dem Weg entdecke ich ein weghuschendes Etwas. Zuerst denke ich dass es eine Schlange ist. Ich stelle meinen Rucksack hin, nehme die Kamera in die Hand und verharre reglos. Da streckt eine Echse ihren Kopf aus dem Loch. Sie blinzelt mich an. Ich blinzele zurück. Wir starren. Es ist eine Viertelstunde vergangen und mir schlafen die Füße ein. Wir starren weiter. Der Wind zerrt an meiner Nase um sie zum laufen zu kriegen, was auch schließlich gelingt. Aber die Echse hat sich ein Stück aus dem Loch bewegt. Etwas krabbelt mir übers Gesicht. Nur nicht zucken. Äußerst misstrauisch guckt die Echse mich weiter an. Ich gehe ganz auf in der Rolle des spontan gewachsenen blauen Baums. Schließlich werde ich belohnt. Ich kann sogar im Schneckentempo die Hand in die Tasche stecken und das iPhone rausholen. Ich muss leider ranzoomen, aber immerhin:
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Am Ende rufe ich ihr noch zu: “hast doch recht gehabt, ich bin gar kein Baum!”
Der Weg zurück ist interessant. Ich probiere aus, wie weit ich mich in den mittlerweile sehr starken Wind legen kann. Das Meer ist ordentlich aufgewühlt.

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Und hier war das Dach noch dran, als ich vorhin dran vorbei gegangen bin.
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Langsam mache ich mir sorgen um mein Zelt. Und richtig, als ich endlich am Campingplatz wieder ankomme, ist mein Fahrrad umgefallen und meine blaue matte ist weg. Das Zelt ist ok, bloß ein Hering rausgerissen. Aber das mit der matte macht mich traurig. Ich renne auf dem ganzen Platz rum, finde sie aber nicht. Irgendwie hatte ich mich an sie gewöhnt. Und praktisch war sie auch. Der Wind zerrt am Zelt und ich muss jetzt was essen.
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Ein Gedanke zu „Tag 47. Port de la Selva

  1. Wow du Tierfotograph hast echt Durchhaltevermögen! Danke für diese tollen schönen Fotos! Wir saufen hier in HH langsam aber sicher ab und den Mattenverlust finde ich schlimm. Dieses blaue Stück Comfort war uns Lesern mindestens ebenso ans Herz gewachsen!! Ach Hasi, das ist oll und tut mir leid!

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