Tag 26. Besançon – Chaussin

Ach, Hotelzimmer. Sobald ich die Möglichkeit habe, nutze ich alles was geht. Alle Steckdosen werden sofort belegt (eine Sache, die ich auch schätzen gelernt habe: Strom), die Toilette wird so häufig es geht frequentiert, auch bei nicht unbedingtem Bedürfnis. Großzügig natürlich auch das Klopapier abgerollt und automatisch in die Taschen gesteckt. Ich frage mich, wo ich überall Klopapier wiederfinde, wenn ich wieder zu Hause bin. Auch eine Möglichkeit, eine Art Tagebuch zu führen. “Ach, guck mal, das hier hab ich aus Besançon”. Und dies hier, das ist richtig gutes, das kommt von dem Campingplatz in Nancy. Das war ein Fest, da hab ich richtig zugelangt” usw.
Vielleicht sollte man eine Bewertung der Plätze nach Klopapier einführen. Für uns Camper ist das wichtig. Wenn man nicht gerade, so wie ich, 6-8 Rollen Klopapier mitführt, weil man ja sonst nicht weiß wohin mit dem ganzen Platz in den Fahrradtaschen.
Zurück zum Hotelzimmer. Ich nutze natürlich auch ausgiebig den Fernseher. Zuerst Iron man, danach Fluch der Karibik 2. Auf einmal kann ich viel länger wach bleiben, erstaunlich. Ich wollte schon langst was essen, aber komme weder gedanklich, noch motorisch von dem Gerät los.
In der Nacht ist es schrecklich heiß. Ich weiß gar nicht warum, bis mir morgens auffällt, dass ich die kleine elektrische Heizung auf Volldampf laufen lasse. Morgens muss ich das Fenster aufmachen, um zu prüfen, wie kalt es draußen ist – verrückt. Ich freue mich über den Spiegel im Bad, in dem ich sehen kann, wo genau meine Fahrradshirts an den Armen aufhören. Ebenso an den Beinen. Das wird lustig, wenn ich mal den Badeanzug anziehe…. Ich dusche ausgiebig und creme mich ein. Kann es etwa sein, dass meine gigantische 50ml Flasche creme schon leer ist? Ich pule den Deckel ab und schlage mir die Öffnung auf die Handfläche. Mit einem satten Geräusch saugt sie sich an der Hand fest. Das finde ich lustig. Als sie sich schmatzend wieder löst spritzt vornehmlich an den Spiegel der restliche Inhalt der Flasche. Hm. Bin ich etwa nach vier Wochen schon nicht mehr zivilisationsfähig? Artig wische ich die Creme von Spiegel ab, brauche ich schließlich noch.
Ja dann, los gehts. Ich bin froh, Besançon hinter mir zu lassen, einerseits weil ich große Städte nicht mehr mag und andererseits, weil die Stadt einfach potthässlich ist. Ich fahre an einem Kanal entlang, zweifelsohne ein “Canal du irgendwas”. Ab und zu kommt mir ein Radfahrer entgegen und wir sagen gegenseitig bonjour. Die Franzosen sagen ja nicht “bonngjur”, so wie ich, sondern eher ein “bongschuuchrrr”. Daran kann man sie von den Zugereisten unterscheiden. Auch das handelsübliche “Oui”, wo ich quasi “ui” nuschele, kommt bei den Franzosen eher dahin gehaucht her, als “Uuiihh” mit einem leichten Stoßseufzer am Ende. Also eigentlich ein einfaches Ausatmen des Wortes. Ich habe aber auch schon eine abgewandelte Form gehört, bei der das Ausatmen nach dem “uu” schon abgebrochen wird. Salopper wird auch gerne ein “Uähh” verwendet, wo das Seufzen oder Atmen gänzlich fehlt.
Ich komme auch hier, wie in Deutschland auch, an Menschen vorbei, die mich nur anstarren und sich geradezu erschrecken, wenn ich ihnen mein deutsches “bonngjur” hinwerfe. Nur die eine Katze, die starrt stur an mir vorbei … Auch deutsche Fahrradfahrer kommen mir entgegen, einfach zu erkennen durch deutsche Flaggen oder wenn sie einfach “hallo” rufen. Na, denke ich, seid ihr auch die ganze Strecke mit dem Rad von zu Hause losgefahren? Hochnäsig nehme ich an, dass nicht, denn ihr gepackt ist viel zu klein und überhaupt sehen die gar nicht so aus. Basta. Oder sie sind einfach gepäckmäßig schlauer als ich. Das tue ich aber großzügig ab.
Bald mache ich Pause, weil ich an der Bank einfach nicht vorbei fahren kann.

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Es ist schön warm, die Sonne scheint. Vögel zwitschern, Falter flattern, Fliegen summen. Ich beobachte sie. Die Fliegen lieben meine neonfarbene Regenhülle. Sie setzen sich darauf und es sieht so aus, als ob sie sich ständig über ein super Geschäft freuen, denn sie reiben sich permanent die Hände. Oder die Füße. Ein Zitronenfalter (ja das Zitronenfalterimperium scheint alt-römische Ausmaße zu haben) setzt sich auf mein Knie, breitet seine Flügel aus und sonnt sich. Ich beschließe Frieden und Freundschaft mit den Zitronenfaltern und zufrieden fliegt der Falter wieder davon. Ich starre gedankenverloren auf den Boden und merke nach kurzer zeit, dass mein Puls so kräftig klopft, dass mein Kopf mit ihm mitnickt. Alle kleinen Tiere, die sich verhängnisvollerweise unter mein Shirt verirren bleiben entweder am Rücken kleben oder ertrinken gleich, denn ich brate und schwitze in der Sonne. Mir haben zwar mal Leute gesagt dass es sinnvoll ist, etwas heißes zu trinken, wenn einem heiß ist, aber der quasi noch kochende Tee, den ich trinke, kühlt mich tatsächlich eher gar nicht ab. Überaus träge beschließe ich, weiterzufahren. Als ich aufstehe hinterlasse ich, eigentlich wie gestern, eine “Menina”-Form auf der Bank. Ich denke, ich werde wohl noch so 6 oder 7 Pausen machen, bis ich nach 30km am Ziel bin :-)

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5 Gedanken zu „Tag 26. Besançon – Chaussin

  1. mein Hasi auf der sprichwörtlichen Sonnenseite!! Klasse!
    ein sehr ergonomischer Abdruck! Du bist so braun! Wahnsinn.
    An der Bank hätt ich auch angehalten, die sieht einladend aus…..
    oohh, oui oui, die fronsösischä Sprach´est une langue trés compliquée…:-D
    die spannenden Betrachtungen hätten wir mal unseren Französischlehrern unterbreiten sollen!!

  2. Liebe Menina, von etwas möchte ich dir warnen…. in Spanien wirst du wahrscheinlich in kein Camping Klopapier finden! Ich war eigentlich in kein CAmping in Spanien aber ich kenne viele öffentliche Klos und wenige haben Klopapier…. Dafür kriegst aber wahrscheinlich schönes Wetter. Man kann nicht alles haben…..
    Nur damit du Bescheid weisst, deine Mutter fliegt Heute zurück und kommt Heute Abend gegen 20:00h in Hamburg an. Es war schön sie hier zu haben. Wir freuen uns schon auf ihr nächsten Besuch. Und natürlich auf au auer BEsuch!!!
    Bis bald!

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